Bau- und Gebäudebereich
584,6 Millionen Tonnen Gesteinskörnungen wurden in Deutschland im Jahr 2020 für die Bauindustrie produziert, davon 485 Millionen Tonnen auf Basis von mineralischen Primärrohstoffen – Tendenz steigend, verbunden mit erheblichen Eingriffen in die Natur. Obwohl diesem Bedarf ein Bauabfallaufkommen von rund 220 Millionen Tonnen pro Jahr als potentielle Rohstoffquelle gegenübersteht, werden derzeit nur 13 Prozent (77 Millionen Tonnen) der jährlich eingesetzten Gesteinskörnungen über Recyclingbaustoffe gedeckt. In Bezug auf das Gesamtaufkommen des Bauabfalls werden 35 Prozent als RC-Baustoffe eingesetzt. Bodenaushub dominiert das Abfallaufkommen mit über 129 Millionen Tonnen pro Jahr, davon werden 75 Prozent ohne vorherige Aufbereitung verfüllt oder auf Deponien als Ersatzbaustoff eingesetzt. Weitere 14 Prozent werden auf Deponien beseitigt. Qualifizierte und güteüberwachte Baustoffe für den Straßenoberbau machen nur einen kleinen Anteil der vermarkteten Recyclingbaustoffe aus. Das Potential, Sekundärrohstoffe in den Wirtschaftskreislauf zurückzuführen, wird nicht ausreichend ausgeschöpft, gleichzeitig sinken Deponiekapazitäten und steigen Entsorgungskosten und erhöhen den Handlungsdruck.
Zentrale Hemmnisse, die einem kreislauffähigen und ressourcenschonenden Bau- und Gebäudebereich entgegenstehen, sind:
- Es liegen i. d. R. keine ausreichenden Informationen über verbaute Materialien und Stoffe vor.
- Da bei der Errichtung von Bauwerken das Bewusstsein bezüglich Wiederverwendung, Rückbaubarkeit und Recycling kaum vorhanden gewesen ist, lassen sich aus dem Sekundärrohstofflager sortenreine Materialströme häufig nicht oder meist nur mit hohem Aufwand bereitstellen.
- Die Bestandserhaltung und Potenziale zur Weiternutzung von Gebäuden und Infrastruktur werden nicht prioritär geprüft.
- Die Errichtung oder die Instandhaltung von Bauwerken und Gebäuden ist zum Teil mit Stoffen erfolgt, die heute als Schadstoffe gelten und, nach dem Stand der Technik, verlässlich aus dem Materialkreislauf ausgeschleust werden müssen.
- Die Verwendung von Sekundärrohstoffen wird in den Ausschreibungen privater und öffentlicher Bauherren aufgrund von Unsicherheiten bezüglich der Qualität der Sekundärmaterialien sowie Bedenken aufgrund der Rechtssicherheit der Vergabeentscheidungen nicht in ausreichendem Maße verlangt, obwohl ressourcenschonenden und abfallarmen Erzeugnissen nach der Bauproduktenverordnung und dem Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) der Vorzug zu geben sind.


